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Entstehung und Bedeutung des Familiennamen Bidlingmaier

(Auszug aus dem Familienbuch Bidlingmaier, Rolf Bidlingmaier, 1992)

Der Familienname Bidlingmaier ist ein zusammengesetzter Familienname, der aus den beiden Grundwörtern Bidling und Maier gebildet wird. Der Meier, abgeleitet vom mittellateinischen maior (= der Größere), war im Frankenreich des 6. und 7. Jahrhunderts der Leiter eines Herrenhofs und somit eine Art Gutsverwalter. Der Begriff Meier wurde jedoch im Lauf des Mittelalters nicht nur auf die herrschaftlichen Gutsverwalter, sondern auf jeden größeren Bauer, der einen Hof bewirtschaftete, angewandt. So hatte jeder Hof einen Meier [1]. Als im Spätmittelalter außer den Vornamen auch Nachnamen zur Unterscheidung von Personen üblich wurden, übertrug sich diese Berufsbezeichnung auf den Nachnamen. So gab es und gibt es immer noch viele Personen, die Meier, Maier, Meyer, Mayer, Mair, usw. heißen - die heutige Schreibweise ist dabei belanglos [2]. Besonders zahlreich entstand der Familienname Maier in Gegenden, wo viele Einzelhöfe vorhanden waren. Diese Siedlungsstruktur kennzeichnet die zweite Phase des Landausbaus im 11. und 12. Jahrhundert und ist in Südwestdeutschland unter anderem im Schwäbischen Wald, im Schurwald und im Schwarzwald, aber auch am Rande der Schwäbischen Alb, im Gebiet um den Hohenstaufen und den Hohenrechberg anzutreffen.

Bald stellte sich das Problem, die zahlreichen Maier durch einen Beinamen zu unterscheiden. Die den Nachnamen vorangestellten Beinamen wurden im Laufe der Zeit zu einem festen Namensbestandteil. Die zusammengesetzten Maier-Namen lassen sich in verschiedene Gruppen aufteilen. So gibt es Maier mit altdeutschen Personennamen, mit kirchlichen Namen, mit Tiernamen, mit Angaben des Berufs, des Wohnorts, der Lage des Hofs, der Hofart, der Bodenbeschaffenheit, der Bodenerzeugnisse oder der Abhängigkeiten [3]. Unter diesen Gruppen ist der Name Bidlingmaier der Maier-Gruppe mit Angabe des Wohnorts zuzurechnen.

Der Familienname Bidlingmaier erscheint zum ersten Mal im Jahre 1535 als Bichellmajer [4] im Amt Hohenstaufen. 1542 taucht erstmals die Namensform Bidlingmeyer [5] in Lindenbronn auf. Beide Orte liegen in der Gegend zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd, in der Nähe der "Kaiserberge" Hohenstaufen, Hohenrechberg und Stuifen, in einem Gebiet der jüngeren Ausbauzeit mit zahlreichen Einzelhöfen. So überrascht es nicht, daß dort eine ganze Reihe zusammengesetzter Maier-Namen auftritt: Bühlmaier, Dangelmaier, Kitzenmaier, Staudenmaier, Vesenmaier usw. [6] In manchen Fällen lassen sich noch die zugehörigen Höfe feststellen, da einige heute noch unter diesem Namen existieren. Andere Höfe sind längst abgegangen oder haben ihren Hofnamen gewechselt. Zu den letzteren gehören die beiden Bidlinghöfe. Der Kleine Bidlinghof, der heutige Obere Merzenhof, liegt unterhalb des Ortes Hohenstaufen, während sich der Große Bidlinghof, der heutige Bläsishof, in einem Tal zwischen Hohenrechberg und Stuifen befindet. Bei den Hofnamen lassen sich zwei Entstehungsformen unterscheiden: Zum einen gibt es Hofnamen, denen ein Vor- oder Familienname zugrunde liegt, so z. B. Jakob - Jackenhof, Stix - Stixenhof und Dangelmaier - Dangelhof. Die andere, weniger zahlreiche Gruppe sind die Hofnamen, die auf Flurnamen zurückgehen und über die Lage des Hofes etwas aussagen. Zu dieser Gruppe gehören auch die Bidlinghöfe. Gerade umgekehrt wie bei der ersten Gruppe leiten sich von den Hofnamen der zweiten Gruppe wiederum Familiennamen ab: Bühlhof - Bühlmaier, Staudenhof - Staudenmaier und Bidlinghöfe - Bidlingmaier [7].

 

Bidling1489 

Erste Nennung des Weidebezirks Bidling in den Statuten des Marktes Hohenstaufen von 1489, Abschrift von 1569

Der Name Bidlingmaier geht auf den Flurnamen Bidling zurück, der 1489 in den Statuten des Marktes Hohenstaufen erstmals als Bidling genannt wird und 5 Jahre später verballhornt als Büding in einem Lagerbuch der Herrschaft Hohenrechberg erscheint [8]. Der Bidling war ein Weidebezirk, der zwischen Hohenstaufen und Hohenrechberg lag. Der Name Bidling leitet sich etymologisch vermutlich von Bid oder Biet ab, was soviel wie Gebiet bedeutet. Mit Bidmarch oder Bidzaun wurde ein Grenzzeichen oder eine Einzäunung eines Gebiets bezeichnet. Dann wäre der Bidling ursprünglich ein eingezäunter Weidebezirk gewesen. Dafür spricht die Nennung in den Statuten des Marktes Hohenstaufen von 1489, da dort ausdrücklich gesagt wird, dass der Weidebezirk Bidling nur zu offenen Zeitten, also zu bestimmten Zeiten, zu benutzen ist [9]. Denkbar wäre aber auch die Ableitung von einem mit Bid- anlautenden Vornamen [10].

 

Bidlingmaier1535 

Erste Nennung des Familiennamens Bidlingmaier (Bichellmajer), Hohenstaufen 1535     

Der Familienname Bidlingmaier muss spätestens im 15. Jahrhundert entstanden sein, denn bereits zu Beginn der Überlieferung werden Bidlingmaier an verschiedenen Orten genannt. Die ersten urkundlich fassbaren Schreibweisen sind Bichellmajer (1535) [11] und Bidlingmeyer (1542) [12].

Klar abgrenzen lässt sich der Familienname Bidlingmaier von den in der gleichen Gegend vorkommenden, ähnlich klingenden Familiennamen Bühlmaier und Bitterling. Die in der Gegend ansässigen Bühlmaier, auch Bihlmaier geschrieben, leiten sich wohl vom Bühlhof bei Reichenbach unter Rechberg her [13]. Mit Bidlingmaier nichts gemein haben die in Bayern beheimateten Familiennamen Bittlmaier und Bichlmaier, ebenso der in der Pfalz vorkommende Familienname Bittlinger.

Im Gegensatz zu den meisten Familiennamen, die mehrfach entstanden sind, ist der Familienname Bidlingmaier nachweislich nur ein einziges Mal entstanden, und zwar aufgrund des Weidebezirks Bidling am Hohenstaufen. So darf eine Verwandtschaft aller Träger des Namens Bidlingmaier in allen Namensvarianten angenommen werden, was sich jedoch anhand der Quellen nicht mehr belegen lässt.

 

Anmerkungen

[1] Studienbuch Geschichte, hrsg. von Reinhard Elze und Konrad Repgen, Stuttgart 21985, S.219; Max Gottschald, Deutsche Namenskunde, Unsere Familiennamen, Berlin 51982, S.346-347; Josef Karlmann Brechenmacher, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen, Bd.2, Glücksburg 1963, S.249; Rudolf Kapff, Schwäbische Geschlechtsnamen, Stuttgart 1927, S.76.

[2] Heimatbuch Wäschenbeuren 1979, hrsg. von der Gemeinde Wäschenbeuren  nach einem Manuskript von Josef Kleinknecht, Salach 1979, S.237.

[3] Gottschald (wie Anm.1), S.346-347 und Kapff (wie Anm.1), S.76.

[4] Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HStAS), H 102/26 Bd.1, Lagerbuch der Stiftsverwaltung Oberhofen und der Geistlichen Verwaltung Göppingen 1535, fol.544r. - Karl Kirschmer, Die Höfe der Bidlingmaier in Lerchenberg, unveröffentliches Manuskript, o.D., S.1 schreibt dagegen: Die Bidlingmaier sitzen in den ältesten, geschichtlich erfaßbaren Zeiten in den Ortschaften rings um den Hohenstaufen. Urkunden von 1400 an tragen ihren Namen. Quellenbelege für Namensvorkommen im 15. Jahrhundert konnten keine ermittelt werden.

[5] HStAS H 210 Bd.1, Lagerbuch des Domstifts Augsburg 1542, fol.5r.

[6] Eine ausführliche Zusammenstellung und Erklärung der in der Gegend um den Hohenstaufen vorkommenden Familiennamen mit -maier bietet das Heimatbuch Wäschenbeuren (wie Anm.2), S.237-238. Lediglich für den Namen Bidlingmaier ist keine Erklärung angegeben, offenbar wußte sich der Verfasser auf diesen Namen keinen Reim zu machen!

[7] Zur Namensgeschichte der genannten Höfe vgl. Reichardt (wie Anm.7), S.53 (Bühlhof), S.56 (Dangelhof), S.79 (Fladenhof), S.143 (Lindenhof), S.148-149 (Merzen- oder Bidlinghof), S.151-152 (Mühleisenhof), S.168-169 (Jakenhof), S.189 (Schonterhof), S.191 (Schurrhof), S.196-197 (Staudenhof) und S.200-202 (Stixen- und Striethof).

[8] HStAS A 346 Bü 69 Nr.3, fol.12v und Gräflich Rechberg`sches Archiv Donzdorf (GRAD), Zins- und Gültbuch der Herrschaft Hohenrechberg fol.8r. Kirschmer (wie Anm.4), S.1 stellte dies bereits fest: Auf der Karte der Gegend finden wir nämlich den Flurnamen Büdling. Der Bauer, der hier seinen Hof hatte, wurde der Bidlingmaier genannt.

[9] Zur etymologischen Herleitung des Flurnamens Bidling von Biet vgl. Hermann Fischer, Schwäbisches Wörterbuch, Bd.1, Tübingen 1904, Sp.1106. Zu Bidmarch, Bidzaun = bayerisch, sinnverwandt mit Bimarke, Bizäune, = Grenzzeichen, Einzäunung vgl. Michael Richard Buck, Oberdeutsches Flurnamenbuch, Stuttgart 1880, S.26.

[10] Dies vermutet Reichardt (wie Anm.7), S.149: Der Nebenname Bitlinghof (1699) ist mit dem Rufnamen Bitling (belegt Bitlung) zum Stamm Bid- gebildet. Als Quellen führt er an: Ernst Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd.1, Personennamen, Bonn 21900, Sp.301-302, wo eine Reihe von mit Bid- anlautenden Personennamen wie Bito, Bita, Bitili, Pittulung, Bidin, Bitbald, Bitbert, Bithgart, Bidegis, Pittheri, Pittrich, Bitherid und Pitwart genannt werden, und Henning Kaufmann, Ergänzungsband zu Ernst Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd.1, Personennamen, Hildesheim 1968, S.60-61.

[11] HStAS H 102/26 Bd.1, Lagerbuch der Stiftsverwaltung Oberhofen und der Geistlichen Verwaltung Göppingen 1535, fol.544r.

[12] HStAS H 210 Bd.1, Lagerbuch des Domstifts Augsburg 1542, fol.5r.

[13] Reichardt (wie Anm.7), S.53 und Gottschald (wie Anm.1), S.135. Der Name Bühl leitet sich von mittelhochdeutsch bühel = Hügel her.

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